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Einschränkung der Privatsphäre und psychische Krankheiten

Einschränkung der Privatsphäre und psychische KrankheitImmer öfter erhalte ich Anrufe von Menschen, die (nach meiner Meinung) psychisch labil sind, und denen  das Leben durch die neuerlichen Entwicklungen in unserer Gesellschaft wahrlich nicht vereinfacht wird.  Die Anrufe sind eigentlich immer ähnlich: Ein Mann oder eine Frau teilt mit in der Presse verunglimpft worden zu sein und/oder dass ihre Lebensgeschichte versilbert werde. Beides durchaus typische Fragestellungen meiner Beratungspraxis. Erst im weiteren Gesprächsverlauf offenbaren sich Probleme. Wenn der potentielle Mandant mitteilt nicht im Beitrag namentlich genannt zu sein, ist das auch noch kein KO-Kriterium, weil es nicht auf die namentlichen Nennung sondern auf die Erkennbarkeit ankommt. Wenn allerdings auf die Frage, in welcher Sendung die Vereltzung stattgefunden haben soll, 5-6 Sendungen (von amerikanischen Serien bis Rtl2 Eigenproduktionen) bunt gemischt genannt werden, wird offenbar, dass diese Person sicher das Gefühl hat verletzt zu sein, es aber im juristischen und tatsächlichen Sinne nicht ist.

Entwicklungen in unserer Gesellschaft

Ich finde es nicht völlig überraschend, dass man als labiler oder – von mir aus neutraler – sehr sensibler Mensch, sich oft im Fernsehen wiederzufinden meint. Durch die Vielzahl an Serien, die gescripted Authentizität des reellen Lebens vorzugaukeln suchen, ist es nicht abwegig sich wiederzuerkennen. Das ist in gewissem Maße ja sogar beabsichtigt. Wenn Schauspieler sich über die Darstellung intimster  (soziale Nöte, sexuelle Orientierung etc.) Ereignisse öffnen müssen, um dadurch die Chance auf einen Eintritt ins Dschungelcamp zu erhalten, stellen diese oft die gleichen Nöte dar, die viele Menschen bewegt. Der Zuschauer meint, dass dies doch „seine Probleme“ sind und er denkt, dass seine Lebensgeschichte ausgewertet wird. Der Zuschauer fühlt sich überwacht und verfolgt: „Die sind in meinem Computer“, „die hören mich ab“, aus der Sicht des Zuschauers logisch, wie solle „die, denn sonst an die Informationen“ gekommen sien. Wenig hilfreicht ist es dann, wenn nach der Suche nach einem Hund auf Google, auf anderen Seiten, welcher der Nutzer besucht er Werbung für Produkte in Zusammenhang mit Hunden vorgeschlagen bekommt. Wer das aktuelle Tagesgeschehen verfolgt,  nun sogar Arbeitgeber die Zeiten am Schreibtisch genau tracken wollen, bekommt weiter Nahrung für seine Sorge der vollständigen Überwachung

Wie damit als Anwalt umgehen?

Als Jurist bleibt mir nur von rechtlichen Schritten abzuraten, ob man in den Gesprächen den Ratsuchenden darüber hinaus empfehlen sollte oder gar „muss“ psychologische Hilfe zu suchen, weiß ich nicht. In einigen Gesprächen habe ich es angedeutet. Mich würde interessieren wie Kollegen mit solchen Fällen umgehen.

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