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Jan Delay gibt den Piraten Gegenwind: „Abschalten Digger“

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Nachdem Jan Delay in der Vergangenheit für Furore sorgte, in dem er sich gegen Abmahnungen aussprach, wenig später aber einräumen musste, finanziell von den Rasch Abmahnungen seines Labels Universal zu profitieren und im Anschluss ankündigte die Erlöse aus Abmahnungen zu spenden. Folgte nun vor zwei Wochen eine Diskussion zwischen Herrn Lauer – Abgeordneter der Piratenpartei und Herrn Delay. Dieses Spiegel Gespräch, welches zumindest auf Englisch auch im Internet veröffentlicht ist, wurde jetzt aktuell mehrfach  – zuletzt von der Welt – kritisch aufgegriffen, weswegen ich hier auch noch ein paar Sätze zum Thema verlieren möchte:

1. Musik ist Werbung für Merchandising und Konzerte
Diese These der Piraten hat Jan Delay als problematisch entlarvt, zumindest wenn ich mit meinen Mandanten spreche, welche Musikschaffende sind, bestätigen diese mir, dass mit Konzerten die Umsatzrückgänge nicht ausgeglichen werden können. Nun vertete ich zugegeben kleinere Künstler, die vielfach eher am Anfang ihrer Karriere stehen, und keine Großacts die wirklich sehr viel Geld mit Musik verdienen, von denen es in Deutschland außerhalb des Schlagers übrigens auch kaum noch 100 geben sollte . Selbst wenn aber auch kleinere Acts mit  Konzerten überleben könnten, was machen denn die Künstler, welche nicht auftreten können: Komponisten (von Soundtracks) zum Beispiel.

Konzertkarten werden mithin immer teurer und als Folge, werden die Verbraucher nur zu den Top Acts gehen. Der Zusammenhang der Nutzer habe sich alle CDs aus dem Netz geladen und geht deswegen zum Konzert, scheint mir eher fernliegend. Zumindest wenn das Geld weiter knapp ist. Sowohl Jan Delay als auch Herr lauer übersehen nämlich, dass die Verbraucher (und nicht nur die 15 Jährige) jeden Euro nur einmal ausgeben können und dass Brenner, Festplatten, Media Player usw… mit denen viel Geld umgesetzt wird, sich bei kostenlosem Content besser verkaufen oder überhaupt erst verkaufen. Frei nach dem Motto: „Kauf Du Dir ne 2 TByte Festplatte, dann mach ich die mit allen bisher veröffentlichten HipHop Alben voll.“

2. Plattenfirmen abschaffen
Das Ironische an der ganzen Thematik ist übrigens, dass die Musikindustrie – auch wegen geringer Margen – seit Jahren hofft den Zwischenhandel endlich durch digitale Distribution zu umgehen, und nun die Piratenpartei der Musikindustrie, zu einem Zeitpunkt, wo dies zumindest in Greifnähe erscheint, durch die Abschaffung derselben das Bein wegtritt. Auch wenn ich schon durch meine berufliche Tätigkeit ein höflich formuliertes – kritisches Verhältnis zu den großen Plattenfirmen habe, halte ich die Position der Piratenpartei zumindest wie sie von einigen Parteimitgliedern darstellt für falsch: Nicht jeder Musiker möchte eine Facebook Seite haben darin stündlich seine Befindlichkeiten – oder täglich sein Mittagessen posten, damit er möglichst „zum Anfassen“ wahrgenommen wird – und trotzdem von seiner Musik leben können. Wenn er dafür bei einer Plattenfirma einen (schlechten?) Vertrag unterschreiben muss, dann ist das seine Entscheidung.

3. Abmahnungen unverhältnismäßig
Recht haben freilich beide, dass die hohen Abmahngebühren, welche etwa Universal Music verlangt – jenseits von Gut und Böse sind und dass hier etwas getan werden muss. Jan Delay (Schwarzfahrtarif von 60,00 EUR) stellt sich auf die Seite des Bundesjustiministeriums, welche ebenfalls eine Strafe von ca.  deutlich unter 100,00 EUR aktuell – zumindest was Anwaltkosten angeht – aktuell andenkt.
Die Sicht der Piraten, dass Tauschbörsen abschaffen unmöglich ist wie Schwerkraft verbieten, ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen. Wenn jeder Haushalt in Deutschland mehrere tausend Euro an Anwälte gezahlt hat, werden die Bürger eher ihren Internetanschluss abschaffen, als weiter Tauchbörsen zu betreiben.  Ob das aber nun sinnvoll ist, sei dahingestellt.

4. Fazit:
Die Piraten geben im Momtent in der Diskussion wichtige Impulse, ohne die Angst vor der Piratenpartei wären den meisten Parteien das Internet und auch der Abmahnmissbrauch, welchen es aktuell gibt, völlig egal. Offen gestanden vermag mich die Piratenpartei argumentativ konkret nur in den seltensten Fällen überzeugen, mit dem aktuellen Vorsitzenden Herrn Schlömer habe ich mich ja mal in einer Talkshow gestritten und auch in der Diskussion zwischen Jan Delay und Herrn Lauer, wäre von Seiten der Piraten argumentativ noch Luft nach oben gewesen. Es muss keineswegs der gewinnen, der am lautesten schreit, nur habe ich bei den aktuellen „Auftritten“ der Piratenpartei immer öfter den Eindruck: „Die erscheinen mit einem Messer zu einer Schiesserei“.

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