Fake Bewertung erhalten – was hilft?
Auf unseren letzten Beitrag zur Erpressung mit gefälschten Rezensionen auf Google Maps haben wir viele Rückmeldungen erhalten. Unternehmer, Praxisinhaber und Geschäftsführer berichten übereinstimmend von denselben Situationen: Plötzlich erscheint eine negative Bewertung im Google-Unternehmensprofil. Kurz darauf folgt eine Nachricht mit einer Forderung. Die Unsicherheit ist groß. Diese Rückmeldungen zeigen deutlich, dass Betroffene immer wieder vor denselben grundlegenden Fragen stehen. Was kann ich konkret tun, wenn ich eine Fake Bewertung erhalten habe und eine Zahlung leisten soll? Muss ich sofort reagieren? Soll ich öffentlich antworten? Wie bekomme ich die Bewertung gelöscht?
Warum Ihre Reaktion entscheidend ist
Google ist nicht verpflichtet, jede Bewertung vorab zu prüfen. Bewertungsplattformen arbeiten grundsätzlich nach dem Prinzip der nachträglichen Kontrolle. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie schutzlos sind. Sobald Google über eine konkrete Rechtsverletzung informiert wird, etwa über eine Fake Bewertung, entsteht eine Prüfpflicht. Ab diesem Moment muss die Plattform den Sachverhalt überprüfen und, sofern ein Verstoß vorliegt, reagieren. Google hat für solche Bewertungen ein eigenes Formular. Leider reagiert Google nicht immer auf solche Meldungen, insbesondere wenn es sich noch um ein Bewertung handelt. Bessere Chancen bestehen, wenn mehr als 9 Bewertungen in kurzem zeitlichen Abstand abgesetzt werden.
Der erste Fehler: Aus Angst zahlen oder verhandeln
Wenn eine erfundene Rezension mit einer Geldforderung verknüpft wird, liegt ein Fall von Erpressung vor. Die Versuchung ist groß, einen überschaubaren Betrag zu zahlen, um „Ruhe zu haben“, gerade wenn noch weitere Bewertungen angedroht werden. Zahlungen lösen das Problem selten dauerhaft. Im Gegenteil, sie signalisieren, dass Druck funktioniert. Das Risiko weiterer Forderungen steigt erheblich. Wer also zahlt, macht sich erneut angreifbar.
Beweise sind Trumpf
Bevor eine Reaktion erfolgt, sollte eine Beweissicherung erfolgen. Gerade bei einer Fake Bewertung mit Zahlungsaufforderung zur Löschung kommt es immer wieder vor, dass Profile verschwinden, Rezensionen verändert werden oder neue Accounts auftauchen. Ohne saubere Dokumentation entsteht später ein erhebliches Beweisproblem. Entscheidend ist daher die vollständige Sicherung aller Beweise:
• die Bewertung selbst inklusive Datum und Uhrzeit
• das Profil des Bewerters
• sämtliche Nachrichten, E-Mails oder Chatverläufe
• der zeitliche Zusammenhang zwischen Bewertung und Forderung
Je lückenloser die Dokumentation, desto höher die Erfolgsaussichten in weiteren Verfahren (etwa wenn man gegen den Erpresser zivilrechtlich vorgehen möchte oder Strafanzeige stellen möchte.
Das richtige Google-Meldeverfahren nutzen
Viele Unternehmen melden eine Rezension lediglich über die allgemeine „Rezension melden“-Funktion. Das ist ohnehin selten von Erfolg gekrönt, bei einer Fake Bewertung mit Erpressungsbezug nicht ausreichend.
Google stellt inzwischen ein spezielles Meldeformular für Fälle bereit, in denen Bewertungen mit einer Forderung verknüpft sind. Dieses Verfahren verlangt eine strukturierte Darstellung der Vorfälle sowie entsprechende Belege. Die Nutzung dieses Formulars signalisiert klar, dass es sich nicht um eine bloße Meinungsverschiedenheit handelt, sondern um einen systematischen Rechtsverstoß. Aber Achtung eine Nutzung des Formulars ohne Erpressungsversuch kann zur Sperrung des Kontos führen.
Wann eine Strafanzeige bei einer Fake Bewertung sinnvoll ist
Sobald eine Zahlungsforderung im Raum steht, sollte die Einleitung strafrechtlicher Schritte zumindest geprüft werden. Die Androhung von Rufschädigung zur Durchsetzung finanzieller Forderungen kann strafrechtlich relevant sein. Eine Anzeige ohne Beweismittel bleibt wirkungslos. Eine Anzeige mit sauberer Dokumentation erhöht dagegen die Handlungsfähigkeit erheblich.
Nicht jede negative Bewertung ist automatisch rechtswidrig
Ein besonders wichtiger Punkt, den wir in der Beratung häufig erläutern müssen:
Nicht jede schlechte Bewertung ist automatisch eine Fake Bewertung. Eine Fake Bewertung liegt vor, wenn gar kein Kontakt stattfand und das Unternehmen nur geschädigt werden soll. Eine (versuchte) Erpressung liegt erst vor, wenn eine Geldzahlung oder ein sonstiger geldwerter Vorteil gefordert wird, im Gegenzug zur Löschung der Fake Bewertung. Der Erfolg hängt von sauberer Argumentation ab.
Warum viele Fälle in einer Endlosschleife landen
• Eine Bewertung wird gemeldet.
• Google reagiert nicht.
• Es wird erneut gemeldet.
• Es folgen automatisierte Standardantworten.
Ohne strukturierte Fallchronologie und juristisch klare Einordnung entsteht schnell ein Kommunikationskreislauf ohne Ergebnis.
Ziel darf daher nicht nur die kurzfristige Löschung sein, sondern die nachhaltige Stabilisierung des Google-Unternehmensprofils.
Fazit: Struktur statt Panik
Wer eine Fake Bewertung verbunden mit der Drohung weiterer negativer Bewertung und Geld zahlen soll, steht unter Druck. Wir empfehlen:
- • nicht zahlen
- • Beweise sichern
- • juristisch fundiert vorgehen
Die anwaltliche Erfahrung zeigt: Wer strukturiert handelt, rechtlich sauber argumentiert und im Zweifel mit einem erfahrenen Anwalt arbeitet, verbessert seine Chancen erheblich, sowohl gegenüber der Plattform als auch im weiteren Verfahren gegen den oder die Erpresser. Wenn auch Sie aktuell betroffen sind, gilt: Reagieren Sie nicht impulsiv. Reagieren Sie strategisch.

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